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Interview

Blutkreislauf mit Köpfchen
Am Universitätsklinikum Erlangen werden unter der Regie von T-Systems Blutkonserven und Medizingeräte mit intelligenten Funkchips ausgestattet. Die „Smart Objects“ machen den Klinikalltag effizienter und sicherer – ohne die sensible Medizintechnik zu stören.
Blut ist der Alltag für Professor Volker Weisbach von der Abteilung für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Erlangen. Wenn er seine Kühlregale öffnet und eine Blutkonserve auf die Reise schickt, dann ist sie in Top-Form. Optimal temperiert auf kühle zwei bis vier Grad Celsius verlassen rote Blutkörperchen die Blutbank in Richtung Operationstrakt oder Intensivstation. „Bei diesen Erythrozytenkonzentraten lautet unsere Vorgabe, dass die Temperatur während des Transports den Korridor zwischen einem und maximal zehn Grad Celsius nicht verlässt“, betont Weisbach. Am Ziel angekommen, muss außerdem sichergestellt sein, dass das Blut nicht verwechselt wird. Während konventionelle Medikamente hoch standardisierte Massenprodukte sind, werden Blutkonserven auf den individuellen Patienten zugeschnitten. Blut zu erhalten, das nicht zum eigenen Körper passt, kann lebensgefährlich sein. Blut ist eben ein ganz besonderer Saft. Das wusste schon Mephisto.
„Die Logistik rund um die Transfusionen gehört zu den am besten überwachten Klinikprozessen überhaupt. Trotzdem müssen wir davon ausgehen, dass dabei auch im 21. Jahrhundert noch Fehler passieren können“, sagt Weisbach. Um die Risiken zu minimieren, beteiligt sich das Universitätsklinikum Erlangen an dem Projekt OPAL-Health, das vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des Förderprogramms SimoBIT (Sichere mobile Informationstechnik in Mittelstand und Verwaltung) unterstützt wird. Unter der Regie von T-Systems wurde im Operationstrakt und in der angrenzenden Intensivstation mit Hilfe sogenannter OPAL Health-Tags ein intelligentes Sensornetzwerk aufgespannt, in dem Blutkonserven, aber auch Medizingeräte, drahtlos miteinander und mit dem zentralen IT-System kommunizieren.
Live dabei wenn das Blut zirkuliert
Das geht so: Bevor eine Blutkonserve die Blutbank verlässt, erhält sie einen scheckkartengroßen Funkchip, der mit einer Art Kabelbinder an die Konserve geheftet wird und sie fortan eindeutig dem Patienten zuordnet, für den sie gedacht ist. „Wenn wir eine Blutkonserve auf die Reise schicken, dann bleiben wir dank der neuen Technologie über Funk mit ihr in ständigem Kontakt“, berichtet Weisbach. Alle paar Minuten meldet sich der intelligente Funkchip und übermittelt die aktuelle Umgebungstemperatur an das Informationssystem der Blutbank. „Damit haben wir zum ersten Mal die Möglichkeit, einzugreifen, wenn das Blut beim Transport oder auf der Station nicht korrekt gelagert wird.“ Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn es gewährleistet, dass die Kühlkette eingehalten wird. Ungenutzte Konserven wandern jetzt dank der OPAL Health-Technologie einfach wieder zurück ins Kühlregal. Bisher war das anders: Die Konserve wurde warm und damit unbrauchbar. Ende der Mission.
Ist die mit einem OPAL Health-Tag markierte Konserve einmal auf Station angekommen, greift ein zweites Funkszenario: Auch der Patient trägt nämlich einen OPAL-Health-Tag an einem Armband. Vor der Transfusion hält der Arzt den Blutbeutel einfach in die Nähe des Patientenarmbands. Die beiden Funkchips nehmen automatisch Tuchfühlung auf. Ist alles in Ordnung, erscheint am Armband des Patienten ein grünes Licht. „Das ist ein zusätzlicher Sicherheitsmechanismus, der die Wahrscheinlichkeit einer Fehltransfusion noch einmal reduziert“, so Weisbach.

