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„Power-on-Demand ist heute Realität, längst nicht mehr nur ein fiktives Konzept.“
Alain Chave,
Rio Tinto Group

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Ein Gigant rechnet flexibel

Warum ein australisch-britischer Weltkonzern ICT-Leistungen von T-Systems in Frankreich bezieht, mit welchem Partner fiktive Konzepte in reale Wettbewerbsfähigkeit münden und wie die Liga der Global Player ihre IT-Provider fordert. Alain Chave (Rio Tinto Group) über Kaufen und Verkaufen, Flexibilität und Dynamik und spannendes Neuland.
Alain Chave, Rio Tinto Group
Warum hat sich Rio Tinto für die Dynamic Services von T-Systems entschieden?
Unter uns: Rio Tinto mit seiner über 100-jährigen Unternehmensgeschichte ist das Produkt des Zusammengehens vieler Gesellschaften. Doch die europäischen und weltweiten Anti-Trust-Regeln erfordern es immer wieder, uns von bestimmten Aktivitäten zu trennen. Oft stellte ich dabei fest, dass wir über EDV- Systeme und vor allem über Hardware verfügten, die zu groß ausgelegt waren. Oft mussten wir Projekte implementieren und waren auf schnelle Anpassungen unserer Hardwarebestände angewiesen. Solche Projekte sind etwas Lebendiges, ich musste die Leistung unserer Computersysteme also steigern oder senken können. Ich habe mich an alle unsere Zulieferer für Outsourcing-Dienste gewandt, nicht nur an T-Systems. Aber es war T-Systems, das uns als erster Anbieter eine Dynamic-Services-Lösung vorschlug.
Wie viele Anbieter konkurrierten miteinander?
Es waren drei: zwei Computerhersteller, die auch im Outsourcing-Bereich tätig sind, und eben T-Systems. T-Systems stützte sich bei seinem Angebot übrigens auf die Hardware eben dieser beiden Hersteller, was seinerzeit schon recht eindrucksvoll war.
Welches sind im Rückblick die wichtigsten Vorzüge der Dynamic Services im Vergleich zu klassischen „Managed Services“ und Outsourcing?
Es ist uns heute viel schneller möglich, neue Anwendungsumgebungen zu etablieren oder die Rechenleistung zu erhöhen, wenn dies nötig ist – aber diese auch wieder herunterzufahren, wenn ein Projekt abgeschlossen ist. Oder wenn man einen Teil der Applikationen abzutrennen hat, um sie dann in zwei unterschiedlichen Umgebungen wieder zu etablieren. Für mich sind am wichtigsten die Flexibilität und die Reaktivität angesichts unseres internen Bedarfs und der Anforderungen unserer Kunden.
Wie sieht die Kostenseite aus?
Wir sind die Gewinner. Aus folgendem Grund: Wenn wir ein Projekt in Angriff nehmen und für seine Infrastruktur – althergebracht – die gesamte erforderliche Hardware installieren, schöpfen wir diese Leistung oft gar nicht aus. Mit Dynamic Services bezahlen wir nur das, was wir nutzen, dann, wenn wir es nutzen. Wenn wir dagegen diese Hardwarekosten in unsere Betriebskosten integriert haben und Updates, Änderungen der Leistung und der Technologie selbst im Rahmen des Vertrags erfolgen, habe ich als Datacenter-Verantwortlicher diese Veränderungen erheblich besser im Griff.
Wie verlief der Übergang von der traditionellen Outsourcing-Methode mit SAP zur neuen, dynamischen Methode?
Ich wollte einen ITIT (= Information Technology)
Informationstechnik oder Information Technology (IT) ist ein Oberbegriff für die Informations- und Datenverarbeitung sowie für die dafür benötigte Hard- und Software. 
- ProviderProvider
Oberbegriff für Lieferant oder Anbieter von Waren oder Dienstleistungen (von englisch: to provide - liefern, bereitstellen, besorgen). In der ICT Bezeichnung für Anbieter oder Vermittler von Dienstleistungen aus Informations- und Kommunikationstechnik. Zusätze geben oft Hinweise auf das betreffende Marktsegment und die betreffende Stufe der Wertschöpfungskette. Beispiele: Service Provider, Network Service Provider (NSP), Internet Service Provider (ISP), Internet Access Provider (IAP), Application Service Provider (ASP), Internet Content Provider (ICP).
, der nicht nur für uns, sondern für alle seine Kunden EDV-Ressourcen und Dienstleistungen zur gemeinsamen Nutzung bereitstellt. Eines Tages musste ein wirklich enormes Projekt zur Zentralisierung verschiedener Systeme auf den Weg gebracht werden. Angesichts dieses Projektes und des Ergebnisses unserer Suche habe ich mich für diese Technologie entschieden – die übrigens auch für T-Systems Neuland war. Wir haben das gemeinsam in Gang gebracht, und für beide war das eine spannende Herausforderung. Das Ergebnis war so überzeugend, dass viele unserer Arbeitsumgebungen, die mit anderen Technologien und Beschaffungsmodalitäten gearbeitet haben, auf unsere neue Funktionsweise eingeschwenkt sind.
Ein Wort zur Flexibilität der Lösung mit Blick auf die Entwicklung der Service Level Agreements oder der Ressourcen, insbesondere in Bezug auf die Fristen?
Bei Outsourcing oder „Managed Services“ bin ich in den Augen meiner internen Kunden verantwortlich. Konkret ist es aber mein Zulieferer, wenn es um technische Entwicklungen geht, die beispielsweise auf natürliches Wachstum zurückzuführen sind. Wenn sich in meinen Arbeitsumgebungen etwa ein zusätzlicher Speicherplatzbedarf von zehn Gigabyte pro Monat ergibt, brauche ich T-Systems nicht aufzufordern, Plattenspeicher hinzuzufügen. Das machen die bei T-Systems ungefragt selbst, und zwar genau dann, wenn er gebraucht wird. So wird unsere Produktion, die in unserer industriellen Welt rund um die Uhr und an allen Tagen läuft, nie blockiert. Das gilt ebenso für die Datenverarbeitung, die im Dienst der Produktion steht. So funktionieren die Dinge, und ich stehe mit meiner formalen Unterschrift dafür gerade, dass beispielsweise diese Speicherkapazitäten erhöht wurden. Die Flexibilität dafür kommt einerseits aus dem Prinzip der Dynamic Services, aber auch von T-Systems, das so organisiert ist, dass Flexibilität auch funktioniert. Beim Ausbau von Ressourcen genauso wie beim Abbau.
Was würden Sie Unternehmen sagen, die der Idee gemeinschaftlich genutzter oder virtueller Arbeitsumgebungen skeptisch gegenüberstehen?
Selbst intern muss ich heute noch Überzeugungsarbeit leisten, etwa bei neuen internen Kunden. Die Skepsis hat vor allem mit Datensicherheit zu tun. Es liegt kaum daran, dass innerhalb eines Konzerns Hardware gemeinsam genutzt wird, sondern daran, dass sie im Rahmen der Dynamic Services gemeinsam mit anderen Kunden meines Dienstleisters genutzt werden soll. Am Schluss muss man jedoch feststellen, dass die Sicherheit bei einer gemeinsamen Nutzung größer ist, als wenn man intern und scheinbar autonom funktioniert und erfahrungsgemäß weniger aufmerksam beobachtet, wer oder was auf uns zukommt. So, wie Industrie heute funktioniert, wo ständig gekauft und verkauft wird, überall und nicht nur in unserem Konzern immerzu Schnitte und Fusionen nötig sind, also Flexibilität gefragt ist, bekommt man das am besten mit Lösungen nach dem Muster der Dynamic Services oder Power-on-Demand in den Griff. Das ist heute Realität, längst nicht mehr nur ein fiktives Konzept.
„Fiktiv“ ist ein gutes Stichwort – Ihre Prognose zum Cloud Computing?
Ein interessantes Konzept mit Zukunft. Doch noch ist es mehr ein Thema der Presse als eines der Techniker. Wir müssen wohl abwarten, wie es schließlich verwirklicht und umgesetzt wird. Was mich betrifft, ich arbeite viel mit umfangreichen ERP-Anwendungen, ohne jetzt SAPSAP
Die SAP AG ist einer der größten Hersteller für Unternehmenssoftware.
zu zitieren, versteht sich. Und heute sind diese ERPERP
Enterprise Resource Planning umfasst das Planen und Steuern der gesamten Wertschöpfungskette (Supply Chain) und zielt auf den möglichst effizienten Einsatz von Ressourcen in Unternehmensprozessen. Dieser Vorgang wird durch spezielle ERP-Software unterstützt.
noch nicht in der Lage, auf Cloud Computing umzustellen. Aber das ist immer so bei neuen Entwicklungen. Vor drei Jahren hat es bei den meisten Anbietern noch geheißen, Power-on-Demand sei die reine Utopie. Heute gibt es hier einen großen Nachholbedarf – außer bei T-Systems
Wo können Anbieter ihre Dienstleistungen verbessern?
Ich denke, dass die Dynamic Services sich in der Unix-Welt sehr gut entwickelt haben. Und im Bereich von WinTel, also alles, was VMware etc. betrifft, hat Virtualisierung eine besonders vielversprechende Zukunft. Der Markt der Windows-Welt wird sich weiterentwickeln, und zwar immer schneller. Da wird es ungemein viel zu tun geben – und unter uns: Das dürfte zwischen uns und T-Systems die nächste große Herausforderung werden.