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Degussa und T-Systems
Zwei Beispiele aus den zahlreichen Projekten, die T-Systems für Degussa realisiert hat:
Digitales Bündelfunknetz für mobile, abhörsichere Kommunikation am Standort Industriepark Rheinfelden.
"Company Connect" mit definierten Service Level Agreements (SLA) bildet an etwa 30 Standorten die Basis für Kommunikation, E-Commerce und E-Business.
Projects: Degussa
Leuchtende Anstriche könnten in Zukunft Lampen ersetzen!
Dr. Alfred Oberholz, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung von Degussa und zuständig für Forschung und Entwicklung, spricht über Innovationen.
Vielen klingt „Chemie“ ja schon sehr speziell. Was aber ist: Spezialchemie?
Wir entwickeln und stellen Produkte her, die bei unseren Kunden eine große Hebelwirkung haben, ohne dass sie leicht austauschbar wären. Hauptsächlich geht es dabei um Zutaten, sogenannte Ingredienzien, die wir ausschließlich an die Industrie und nicht an Privatkunden liefern. Aber wenn Deutschland sich die Zähne putzt, ist Degussa wortwörtlich in aller Munde. Wir liefern die feinteiligen Silikate, die beim Putzen helfen. Für Autoreifen wiederum liefern wir neben dem Ruß, der für die Haltbarkeit wichtig ist, Silikate, die den Rollwiderstand verringern. Sowie schließlich Silane, die Ruß und Silikate mit dem Gummi verbinden. Alles Bestandteile für einen umweltschonenden „Grünen Reifen“.
Warum stellen Ihre Kunden diese geschäftskritischen Bestandteile ihrer Produkte nicht selbst her?
Weil niemand alles kann. In der Chemie gibt es viele Werkzeuge und Methoden. Einige Unternehmen beherrschen diese Reaktionsschritte besser, andere jene. Die Arbeitsteilung auch innerhalb unserer Branche ist historisch gewachsen und rechnet sich, weil Spezialisten immer besser sind. Wir werden frühzeitig in deren Entwicklungen mit einbezogen – oft schon bei der Definition der Eigenschaften zukünftiger Produkte. Andererseits kommen Ideen für unsere Kunden auch von uns. So entsteht eine allerseits vorteilhafte und eng verzahnte Wertschöpfungskette.
Kein Wachstum ohne Forschung. Was tun Sie dafür?
Erfolgreiche Innovationen müssen vom Kopf hergedacht werden. Jedes Mitglied unserer Geschäftsführung setzt sich daher in seinem Verantwortungsbereich für Innovationen ein. 2005 gaben wir etwa 300 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus, 2006 waren es nicht weniger.
Wie bringen Sie Erfindungen auf den Markt, wie werden bei Ihnen Innovationen gesteuert?
Wir betreiben nicht nur Innovation in neuen Produkten, sondern unser Innovationsprozess selbst ist innovativ. So haben wir – erst für die Nano-, dann für die Biotechnologie – „Science to Business Centers“ gegründet, in denen unsere Wissenschaftler mit Kollegen aus Hochschulen und kleineren Unternehmen zusammenarbeiten. So erzielen wir in kurzer Zeit entscheidende Erfolge. Diese Zentren bilden das Scharnier zwischen Erfindung und Markt für jene Produkte, die wir noch nicht anbieten. Dafür investieren wir im Rahmen eines Fünfjahresprogramms für die zukunftsträchtige Nano- und Biotechnologie jeweils 50 Millionen Euro.
Etwa 90 Prozent der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung geben wir hingegen für Märkte aus, in denen wir bereits aktiv sind. Hierbei unterstützt uns „Creavis“ als vom Konzern geförderte, aber eigenständig wie eine Business Unit geführte Forschungseinheit mit etwa 180 Mitarbeitern, die sogar schon Umsätze mit eigenen Produkten vorweisen kann.
Welche spannenden Dinge können wir da in Zukunft erwarten?
Wir arbeiten beispielsweise an einer Verbindung von Nanotechnologie und Elektronik, der Nanotronic. Damit könnten in zwanzig oder gar schon in zehn Jahren selbstleuchtende Deckenanstriche entstehen, die Glühbirnen und Leuchtstoffröhren mit einem überdies hervorragenden Wirkungsgrad komplett ersetzen. Noch reicht die Helligkeit nicht zum Lesen aus. Aber schon in Kürze werden wir mit dieser Nanotronic-Farbe bedruckte Folien auf den Markt bringen, aus denen selbstleuchtende, also nicht nur reflektierende, Sicherheitsstreifen für Radfahrer, Fußgänger und Schulranzen gefertigt werden.
Bei so viel Innovation – geht da auch mal etwas schief?
Sicherlich passiert das auch schon mal. Forschung arbeitet ohne Erfolgsgarantie und ist eine Art „Venture Business“. Etliche unserer Projekte setzen sich natürlich mittel- bis langfristig durch. Aber mit einer antibakteriellen Kunststoffbeschichtung hatten wir keinen Erfolg. Eine tolle Erfindung, die jedoch dann ihre technischen Pferdefüße in der Beschichtung zeigte, als wir damit zu unseren Industriekunden gingen. Es gehört aber zu unserer im gesamten Unternehmen gelebten Kultur, dann das Entwicklungsteam nicht in seinem Selbstwertgefühl zu treffen. „Kill the project, not the team“, wie der Amerikaner sagt. Wir denken daher zunehmend vom Markt her und prüfen schon vorher sehr genau, was er braucht. Die Zeiten sind lange vorbei, in denen wir etwas Schönes entwickelten und erst dann einen Markt dafür suchten.
Erleichtern Computersimulationen Ihre Arbeit?
Leistungsstarke IT ist aus der Entwicklung von Chemieanlagen nicht mehr wegzudenken. Und ohne Computer würden wir bei der Suche nach einer Substanz die immense Vielzahl hierfür notwendiger Versuche gar nicht richtig interpretieren können. Aber schon bevor es ins Labor geht, probieren wir bestimmte Dinge am Computer aus. So rechnet die Pharmaindustrie bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe etwa Schlüssel-Loch-Konzepte, mit denen Moleküle an ganz bestimmte Zellrezeptoren andocken. Das ist nicht nur für die Pharmabranche wichtig, sondern wird von uns beispielsweise auch bei der Entwicklung von Katalysatoren eingesetzt. Aber dann muss man es doch praktisch ausprobieren, nur „in silico“, also nur im Silizium der Mikroprozessoren, geht eben nicht alles.
Was wird sich in der zukünftigen Spezialchemie ändern?
Wir machen uns intensive Gedanken über die Frage, was nach dem Öl kommt. Noch fußt die Chemie auf Öl als Rohstoff. Doch schon jetzt werden etwa fünf Prozent unserer Produkte – voll wettbewerbsfähig – mit nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Diesen Anteil werden wir weiter steigern. Ob das einmal zehn Prozent, zwanzig Prozent oder noch mehr sein werden, kann man heute noch nicht vorhersagen. Biotechnologie und nachwachsende Rohstoffe sind ein Thema, das uns schon seit zwanzig Jahren begleitet, seit wir in Fermentern Aminosäuren für Futtermittelzusätze herstellen, dank derer Nutzvieh das Futter besser verwertet. Auch in der Nanotechnologie, die ich als weiteren Trend sehe, sind wir schon seit fünfzig Jahren aktiv, nur hießen damals diese kleinen Partikel noch nicht so. Schon jetzt spielen sie in transparenten Sonnencremes mit hohem UV-Schutz eine wichtige Rolle. Schließlich werden auch wir uns fragen müssen, welche Art von Chemie in welchen Erdteilen geht. Wandert einfachere Chemie nach China, und wir Europäer machen nur noch die komplexeren Dinge? Aber wir produzieren seit 167 Jahren mit Erfolg in Deutschland – und werden das auch in Zukunft tun.
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