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Auf großer Fahrt

Umzüge sind eine heikle Sache. Zum Kraftakt werden sie, wenn eine Million Exponate für ein neues Museum ihre Bleibe wechseln. Ohne ICTICT
Information and Communication Technology, zu deutsch: Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Zusammenfassung der beiden Begriffe entstand in den achtziger Jahren, um das Zusammenwachsen der Informationstechnik und der Kommunikationstechnik zu verdeutlichen.
ist dies kaum zu realisieren.
Blaue, mannshohe Transportboxen stehen im Weg, ein Akkubohrer quietscht, es riecht nach Holz. Ort des Geschehens ist eine weiße Prachtvilla an Hamburgs renommierter Elbchaussee. Sie beinhaltet die weltgrößte Privatsammlung maritimer Kostbarkeiten. In 72 Jahren hat der einstige Springer-Vorstandschef Peter Tamm mehr als eine Million Exponate wie Schiffsmodelle, Gemälde, Postkarten und Konstruktionspläne zusammengetragen. All dies soll nun eine Bleibe im neuen Internationalen Maritimen Museum in Hamburgs Hafencity finden. Direkt an der Elbe.     

Lückenlose Informationen

Noch wird eingepackt. „Seit Mai 2007 sind wir dabei“, erklärt Sven Fischer, Projektmanager des Logistikunternehmens Schenker, das den Umzug organisiert. Damit jedes Ausstellungsstück in der richtigen Vitrine landet, kommt moderne Logistik-Technik auf RFIDRFID
Radio Frequency Identification (Identifizierung per Funk) ist die Technologie zur berührungs- bzw. drahtlosen Erkennung von Informationen mit Hilfe von Funkwellen. Ein RFID-System setzt sich zusammen aus einem Transponder und einem Erfassungs-/Lesegerät. Ein Transponder ist ein Gerät, welches eingehende Signale aufnimmt und automatisch darauf antwortet. In Verbindung mit RFID werden diese Transponder TAGs genannt, von denen aktive und passive Varianten existieren. Das TAG wird an einem Objekt angebracht, wodurch die darauf gespeicherten Informationen kontaktlos ausgelesen werden können. Somit ist das Objekt eindeutig identifizierbar.
-Basis zum Einsatz. Innerhalb von acht Wochen standen nach Auftragsvergabe an T-Systems Software und Hardware bereit. Alle Objekte und Transportkisten erhalten ein 5,4 mal 8,5 Zentimeter großes Funketikett, und eine Oracle-Datenbank hält Objektbeschreibung und Transportstatus fest. Dafür passieren die Exponate ein Aluminiumtor mit vier Antennen, wenn sie auf den LKW verladen werden. „Wenn nun ein RFID-Tag in den Bereich des Gates kommt, wird er mit Energie versorgt und sendet seine Daten“, erklärt Christian Schwöbel, Senior Consultant von T-Systems, die automatische und berührungslose Datenerfassung. Ein Laptop zeigt dann die Nummer der Transporteinheit sowie eine Liste aller enthaltenen Ausstellungsstücke an, die nun den Status „Transport“ tragen. Per UMTSUMTS
Universal Mobile Telecommunications System ist ein Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G). Der Standard löst die bisherige Mobilkommunikation über GSM, wie sie in den D- und E-Netzen angewandt wird, mit einem erweiterten Leistungsspektrum ab. UMTS unterstützt leistungsfähige Multimediadienste. Dazu gehören neben den Sprach- und Audiodiensten die schnelle Daten-, Grafiken- und Textübertragung sowie die Übertragung von Bewegtbildern und Video. Den Anforderungen entsprechend sind UMTS-Handys mit einer Videokamera und einem Farbdisplay ausgestattet.
gehen die Daten zur Datenbank nach Frankfurt. Somit sind alle relevanten Informationen für das Logistik-Unternehmen zentral abrufbar.     

Flexibel für alle Fälle

Die Technik funktioniert auch umgekehrt. Fischer: „Solch ein Gate haben wir noch einmal im Kaispeicher. Wenn der LKW entladen wird, schieben wir die Transportkiste wieder hindurch, so dass wir die Sicherheit haben, dass es hier raus ist und dort wieder angekommen ist.“ Objekte, die für das Gate zu groß sind, lassen sich zusätzlich mit Handheld-Geräten erfassen. Dank einer eingesetzten Mobilfunkkarte gelangen auch ihre Daten mittels GPRSGPRS
General Packet Radio Service ist eine Datenübertragungstechnik für Mobilfunknetze, z.B. zum Übertragen von Internetseiten auf Handy. Die Abrechnung erfolgt meist über das Datenvolumen.
in die Datenbank. „Der Umzug wäre ohne RFID und ohne die speziell für den Umzug konzipierte Software nur mit sehr viel Mehraufwand machbar gewesen“, sagt Fischer und verweist auf das kleine Team, das das Projekt dank der automatischen Erfassung lediglich zu viert abwickeln kann.
Selbst wenn der Umzug abgeschlossen ist, haben die RFID-Chips noch nicht ausgedient. Da die Etiketten nach dem Umzug an den Objekten bleiben, könnte es individuelle, auf die Exponate abgestimmte Audio-Touren geben. Doch bis es soweit ist, fährt sicher noch so  manch Umzugswagen an der Elbe zur Hafencity.
Lesen Sie in der Print-Ausgabe von Best Pratice den ausführlichen Beitrag zum Museumsumzug und zu weiteren RFID-Lösungen bei Schenker.